Ein Bildschirmfoto kann einen wichtigen Sachverhalt festhalten. Für sich allein beweist es jedoch meist nur, dass zu einem bestimmten Zeitpunkt ein bestimmtes Bild vorlag. Ob dieses Bild später überzeugt, hängt vor allem davon ab, wie sorgfältig seine Entstehung und Aufbewahrung dokumentiert wurden.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Kann ein Bildschirmfoto als Beweismittel dienen?“ Wichtiger ist: Lässt sich später verständlich und glaubhaft erklären, woher der Inhalt stammt, wann er gesichert wurde und ob er seitdem unverändert geblieben ist?
Ein Bild zeigt einen Ausschnitt, aber nicht seine Geschichte
Ein Bildschirmfoto hält nur das fest, was auf dem Bildschirm sichtbar war. Viele wichtige Angaben bleiben dabei unsichtbar. Dazu gehören etwa die genaue Internetadresse, der Zeitpunkt der Sicherung, die davor und danach aufgerufenen Inhalte sowie der Zusammenhang, in dem der Fund entdeckt wurde.
Gerade bei Internetseiten, Beiträgen in sozialen Netzwerken oder Nachrichtenverläufen kann dieser Zusammenhang entscheidend sein. Einzelne Ausschnitte lassen sich leicht missverstehen. Ohne zusätzliche Angaben bleibt später womöglich offen, ob der gezeigte Inhalt vollständig, richtig zugeordnet und unverändert ist.
Wann die Beweiskraft leidet
Probleme entstehen häufig dann, wenn ein Bild ohne weitere Angaben gespeichert wird. Ebenso kritisch ist es, wenn nicht mehr nachvollziehbar ist, wer die Sicherung vorgenommen hat oder ob die Datei nachträglich bearbeitet wurde.
Auch der Zeitpunkt spielt eine wichtige Rolle. Internetinhalte können jederzeit geändert oder gelöscht werden. Wird die Sicherung erst später vorgenommen, lässt sich der ursprüngliche Zustand unter Umständen nicht mehr zuverlässig belegen.
Was zu einer sorgfältigen Sicherung gehört
Wer einen möglicherweise streitigen Internetinhalt festhält, sollte nicht nur das sichtbare Bild speichern. Ebenso wichtig sind Angaben, die den Fund einordnen und seine Herkunft nachvollziehbar machen.
Dazu gehören insbesondere:
- die vollständige Internetadresse,
- Datum, Uhrzeit und Zeitzone der Sicherung,
- der Name der Person, die den Inhalt gesichert hat,
- der Zusammenhang mit weiteren Seiten, Beiträgen oder Nachrichten,
- eine kurze Erläuterung, weshalb der Fund von Bedeutung ist,
- eine nachvollziehbare Dokumentation von Speicherung, Zugriff und Weitergabe.
Je vollständiger diese Angaben sind, desto leichter lässt sich später erklären, wie der Fund zustande kam und weshalb ihm vertraut werden kann.
Nachvollziehbarkeit ist wichtiger als die Dateiform
Ob eine Datei als Bild, Ausdruck oder Teil einer umfangreicheren Dokumentation vorliegt, ist nur ein Teil der Bewertung. Ausschlaggebend ist häufig, ob andere Personen den Sicherungsvorgang prüfen und verstehen können.
Ein einzelnes Bildschirmfoto kann dafür genügen, wenn der Sachverhalt einfach ist und seine Herkunft außer Zweifel steht. Bei umstrittenen oder besonders wichtigen Inhalten reicht es dagegen oft nicht aus. Dann sollte die Sicherung so angelegt sein, dass Quelle, Zeitpunkt, Zusammenhang und weitere Behandlung des Fundes lückenlos erkennbar bleiben.
Der richtige Maßstab
Bildschirmfotos sind weder grundsätzlich ungeeignet noch automatisch überzeugend. Ihre Aussagekraft hängt davon ab, ob sie Teil einer sorgfältigen und nachvollziehbaren Dokumentation sind.
Wer Internetinhalte als Beleg sichern muss, sollte daher nicht nur das sichtbare Ergebnis festhalten. Ebenso wichtig ist der Weg dorthin. Erst wenn Herkunft, Zeitpunkt und Umgang mit dem Fund verständlich dokumentiert sind, wird aus einem bloßen Bild ein belastbarer Bestandteil der Beweissicherung.
