Eine Internetseite kann sich innerhalb weniger Minuten verändern. Texte werden ersetzt, Bilder ausgetauscht, Verweise entfernt oder ganze Unterseiten gelöscht. Wer später nachweisen muss, was zu einem bestimmten Zeitpunkt veröffentlicht war, darf sich deshalb nicht allein auf eine Bildschirmaufnahme verlassen.
Eine Bildschirmaufnahme hält den sichtbaren Eindruck fest. Sie zeigt jedoch meist nicht zuverlässig, woher die Seite stammt, wie sie aufgebaut war, welche Verweise sie enthielt oder welche Dateien für ihre Darstellung geladen wurden. Für eine nachvollziehbare Beweissicherung muss daher nicht nur das Aussehen, sondern auch der technische und inhaltliche Zusammenhang erhalten bleiben.
Was zu einer vollständigen Sicherung gehört
Eine belastbare Sicherung sollte mindestens folgende Bestandteile enthalten:
- die vollständige Quelladresse der Seite
- den zum Erfassungszeitpunkt geladenen HTML-Quelltext
- die auf der Seite enthaltenen Verweise
- die für die Darstellung benötigten Bilder, Schriftarten und Formatvorlagen
- Datum und Uhrzeit der Erfassung
- Angaben zur verwendeten Erfassungsumgebung
- eine klare Kennzeichnung aller Inhalte, die nicht unmittelbar übernommen werden konnten
Erst diese Verbindung aus sichtbarer Darstellung, technischer Grundlage und Herkunftsangaben ermöglicht eine spätere Prüfung. Eine einzelne Bilddatei kann einen Eindruck vermitteln. Sie kann den Zusammenhang jedoch nur unvollständig belegen.
Warum der HTML-Quelltext unverzichtbar ist
Der sichtbare Inhalt einer Seite ist nur eine Ebene. Im HTML-Quelltext befinden sich zusätzliche Angaben, die für eine Prüfung entscheidend sein können. Dazu gehören Überschriftenstrukturen, Verweisziele, Bildbeschreibungen, Reihenfolgen, Kennzeichnungen und weitere Bestandteile, die auf einer Bildschirmaufnahme nicht oder nur teilweise erkennbar sind.
Der Quelltext hilft außerdem dabei, die ursprüngliche Anordnung der Inhalte nachzuvollziehen. Das ist besonders wichtig, wenn später geklärt werden soll, ob ein Hinweis deutlich sichtbar war, welche Aussage mit welchem Verweis verbunden war oder an welcher Stelle ein bestimmter Inhalt erschien.
Ohne den Quelltext bleibt häufig nur die Behauptung, dass die gesicherte Abbildung tatsächlich den vollständigen und unveränderten Zustand der Seite zeigt. Mit dem Quelltext lässt sich diese Behauptung wesentlich besser prüfen.
Warum Verweise mitgesichert werden müssen
Internetseiten stehen selten für sich allein. Sie verweisen auf weitere Seiten, Dokumente, Quellen, Geschäftsbedingungen oder ergänzende Erläuterungen. Solche Verweise können den Sinn einer Aussage verändern oder erst verständlich machen.
Deshalb genügt es nicht, nur den sichtbaren Verweistext zu erhalten. Auch das tatsächliche Ziel des Verweises sollte dokumentiert werden. Andernfalls lässt sich später möglicherweise nicht mehr feststellen, wohin ein Ausdruck wie „Weitere Informationen“, „Quelle“ oder „Hier lesen“ geführt hat.
Besonders wichtig ist dies, wenn das Verweisziel später geändert oder entfernt wird. Eine sorgfältige Sicherung hält deshalb sowohl den Verweis auf der Ausgangsseite als auch dessen Zieladresse fest.
Eingebundene Dateien gehören zum Beleg
Bilder, Schriftarten, Formatvorlagen und andere eingebundene Dateien prägen die Darstellung einer Seite. Fehlen diese Bestandteile, kann eine gespeicherte Fassung später deutlich anders aussehen als das Original.
Das betrifft nicht nur gestalterische Einzelheiten. Ein Bild kann selbst eine Aussage enthalten. Eine Formatvorlage kann bestimmen, ob ein Hinweis auffällig oder nahezu unsichtbar erscheint. Eine Schriftart kann die Lesbarkeit beeinflussen. Werden solche Bestandteile nicht gesichert, geht ein Teil des ursprünglichen Zusammenhangs verloren.
Eine gute Beweissicherung bewahrt diese Dateien daher nach Möglichkeit gemeinsam mit der Seite auf. Zusätzlich sollte festgehalten werden, aus welcher Quelle sie geladen wurden und ob sie vollständig übernommen werden konnten.
Weshalb Bildschirmaufnahmen allein nicht ausreichen
Bildschirmaufnahmen sind hilfreich, weil sie den damaligen Eindruck schnell verständlich machen. Als alleiniger Beleg weisen sie jedoch wiederkehrende Schwächen auf:
- Die vollständige Quelladresse ist nicht sichtbar.
- Längere Seiten werden nur ausschnittsweise erfasst.
- Verweisziele bleiben unbekannt.
- Eingebundene Bilder können später ausgetauscht werden.
- verborgene oder aufklappbare Inhalte fehlen.
- nachträgliche Bearbeitungen sind ohne zusätzliche Angaben schwer erkennbar.
- technische Bestandteile der Seite lassen sich nicht prüfen.
Die Bildschirmaufnahme sollte deshalb als ergänzende Ansicht verstanden werden. Sie erleichtert die menschliche Prüfung, ersetzt aber nicht die Sicherung des zugrunde liegenden Seitenzustands.
Erhalten, kennzeichnen und nachvollziehbar erklären
Bei der Sicherung einer Internetseite sollte zunächst so viel wie möglich unverändert übernommen werden. Dazu gehören der Quelltext, die eingebundenen Dateien, die Verweise und die sichtbare Darstellung. Anschließend muss nachvollziehbar beschrieben werden, wie die Erfassung durchgeführt wurde.
Nicht jeder Bestandteil lässt sich in jedem Fall vollständig sichern. Manche Inhalte werden erst nachträglich geladen, andere sind an eine Anmeldung gebunden oder nur vorübergehend verfügbar. Solche Grenzen sind kein Grund, die Sicherung als Ganzes aufzugeben. Sie müssen jedoch deutlich gekennzeichnet werden.
Entscheidend ist, dass eine prüfende Person später unterscheiden kann:
- welche Inhalte unmittelbar von der Quelle übernommen wurden,
- welche Inhalte nur als Abbildung erhalten sind,
- welche Bestandteile fehlten oder nicht erreichbar waren,
- und welche ergänzenden Maßnahmen vorgenommen wurden.
Diese Offenheit erhöht die Aussagekraft des Belegs. Unklare oder verschwiegene Lücken schwächen sie dagegen.
Eine eingefrorene Ansicht ist nur ein Teil der Sicherung
Eine unveränderliche Bildansicht kann sehr nützlich sein. Sie bewahrt den sichtbaren Zustand auch dann, wenn die ursprüngliche Seite später geändert wurde. Für eine schnelle Prüfung ist sie oft die verständlichste Darstellung.
Sie darf jedoch nicht mit der vollständigen Sicherung verwechselt werden. Eine Bildansicht zeigt, wie etwas aussah. Sie erklärt nicht zuverlässig, wie die Seite aufgebaut war, welche Ziele ihre Verweise hatten oder welche Dateien eingebunden waren.
Die stärkste Beweissicherung verbindet deshalb beides: eine leicht prüfbare Ansicht und die technischen Bestandteile, aus denen sich der ursprüngliche Zustand nachvollziehen lässt.
Die entscheidende Prüffrage
Nach jeder Erfassung sollte geprüft werden, ob der gesicherte Bestand auch dann noch verständlich wäre, wenn die ursprüngliche Seite unmittelbar danach vollständig verändert oder gelöscht würde.
Lässt sich weiterhin erkennen,
- was veröffentlicht war,
- wo es veröffentlicht war,
- wann es erfasst wurde,
- wie die Inhalte angeordnet waren,
- wohin die enthaltenen Verweise führten,
- und welche Dateien die Darstellung geprägt haben?
Nur wenn diese Fragen beantwortet werden können, liegt mehr als eine bloße Erinnerung an die Seite vor. Dann wurde ein nachvollziehbarer und belastbarer Beleg geschaffen.
